LVZ 16. August 2004
Bild in Pressespiegel S. 27, 28, 29, 30
Höhepunkt des 4. Leipziger Wasserfestes – das Entenrennen im Elsterflutbett
Quietschgelbe Starter schwimmen für guten Zweck
Es schlug Riesen – Wellen das 4. Wasserfest am Wochenende. Zehntausende Schaulustige säumten die Ufer von Flüssen, Seen, Kanal und Hafen. Selbst Petrus schickte kurze und heftige Regeng(r)üsse. Eine der größsten Aktionen der vom Verein Wasser-Stadt initiierten Party wiederum war das Entenrennten mit 9341 quietschgelben Startern.
Angelika Freifrau von Fritsch verschaffte sich gestern Platz auf der Klingerbrücke – mit Revolver in der Hand. „ Zum ersten Mal in der Hand“, gestand die Umweltamtsleiterin, eröffnete die auf diese Weise einen Wettkampf. Ging´s beim 1. Entenrennen des Lions Club „Johann Sebastian Bach anno 2003 einfach so per Handzeichen los, kippt gestern erst nach dem Startschuss 11 Uhr ein Laster die sonnenbebrillten Plastiktierchen ins Wasser.
Damit sie auch wirklich auf Touren kamen und nicht wie voriges Jahr erst in die falsche Richtung strömten, machten Feuerwehr und Deutsche Lebensrettungsgesellschaft gleich von Anfang an mit zwei Großventilatoren gehörig Wind. Zudem lief – der Talsperrenmeisterei sein dank – von Freitag an auf Grund eines geöffneten Speichers bei Borna zusätzlich Wasser über die Pleiße ins Elsterflutbett. Mit dem Spektakel kombinierten die Lions Gaudi und Wohltätigkeit, denn die Einnahmen bekommt die Peter – Escher – Stiftung für krebskranke Kinder.
Wer eine Ente für drei Euro adoptiert hatte, ging mit seiner Losnummer in Rennen und konnte dabei einen von 16 gesponserten Preisen gewinnen. Daumenbrücken daher bei den Beobachtern“: Wir hätten unsere mit Futter locken sollen“ oder „Bei vier Ventilatoren wär´ sie schneller“, fachsimpelten die Väter mit ihren Sprösslingen, während die gelben Hingucker auf die 300 Meter entfernte Falle zuschwammen.
Bereits auf Mitte der Distanz setzten sich ein paar vom Hauptfeld ab. Fernsehmoderator Peter Escher, der vom Boot aus über den Zieleinlauf berichtet verkündete 21 Minuten später: „Der Notar hält die Siegerente in der Hand. Sie hat die Nummer 2187.“ Doch der Gewinner des Hauptpreises, eines von der Firma Heil gestifteten VW Lupo, war leider nicht anwesend.
Fladdimobil fliegt am weitesten – neun Meter
Sie hatten etwas Raketenhaftes. Zudem ließ der im Lindenauer Hafen eingespielte Reinhard – Mey – Hit „Über den Wolken“ Rekorde erwarten. Doch Sekunden nach dem Start – aus der Traum. Die „Fliegende Flasche“ plumpste samt Pilot acht Meter von der Startrampe entfernt ins Wasser. Bei Sturzflügen von den 13 selbst gebauten Gefährten wie „Fahrrad mit Flügeln“ oder „Der fliegende Fisch“ lachte Zuschauerin Marga Friedl vermutlich am lautesten. „So ein Flugtag ist doch nicht nur für junge Leute ein Spaß, sondern auch für Ältere“, sagte die Lößnigerin (67). Überhaupt wurde mit Piratenshow, allerlei Ständen und Aktionen wie Fischerstechen mit Gästen aus Halle an einem sonst eher unwirtlichen Platz am Wasser viel geboten.
Beim Flugtag am Sonnabend kam letztlich das Fladdimobil – eine Art Drachen vom Fußballverein BSV Schönau – mit neun Metern am weitesten. Die Piloten Daniel Süto und Mike Lehmann können nun wirklich in die Luft gehen – sie gewannen eine Ballonfahrt. Dank tatkräftiger Hilfe der LVZ bekam übrigens die Kreation vom offenen Treff „ Die Insel“ die größte Aufmerksamkeit von Jury und tausenden Zuschauern – die Insel mit Palmen wurde zum schönsten Teil gekürt. Fotoreporter Wolfgang Zeyen, der sich fürs beste Foto an der äußersten Startrampe postierte, hatte ein Abheben verhindert – und wär um ein Haar bald selbst mit baden gegangen.
Pleißequeen lässt bei Parade Dampf ab
Der Rekord des Vorjahres ist gefallen: Statt 65 gingen bei der Bootsfahrt diesmal 81 mit Ballons und Blumen geschmückten Gefährten im Karl – Heine – Kanal an den Start – Kajaks, venezianische Gondeln, Solar-, Paddel-, Ruder-, Schlauch-, sowie Motorboote.
Auch eine spektakuläre Spaßkreation: ein dampfbetriebener Katamaran mit Schaufelrad – am Sonnabend getauft auf Pleißequeen. Die Schöpfer: Elektronikingenieur im Ruhestand Fritz Lochau (66) aus Lößnig und sein Sohn Lutz (40), ein Maschinenbauingenieur aus Knautkleeberg. Ein halbes Jahr lang haben beide daran gebaut – und waren auf Kanal, Weißer Elster und Elsterflutbett keinesfalls zu überhören. „Die Lautstärke unserer Dampfpfeife entsprich der einer Kleinbahnlokomotive“, strahlt Lutz Lochau, dessen beide Söhne freilich das Pleißequeen -Team verstärken. Übrigens: Der Dampfkessel wurde mit Propangas betrieben.
Außer jeder Menge Spaß gab´s beim 4. Wasserfest unterm Slogan „Wir machen ne´ Welle“ an insgesamt sechs Standorten Lindenauer Hafen, Palmengartenwehr, Stadtteilpark Plagwitz, Cospudener und Kulkwitzer See sowie Bootshaus Klingerweg auch viele Infos. Denn der Wasser-Stadt-Verein als Ausrichter wollte die Aufmerksamkeit auf die Potenziale von Flüssen, Kanälen und Seen lenken. Vereinsvorsitzende Sabine Heymann: „ Die Leipzier Gewässer, denen Mitte der 90-er Jahre nur die schlechte Gütestufe IV bescheinigt wurde, haben in Abschnitten der Weißen Elster sogar schon die II erreicht. Dan könnte man bedenkenlos drin schwimmen.“ Um zur weiteren Verbesserung der Wasserqualität beizutragen, wolle der Verein künftig öfter Reinigungsaktionen starten.