LVZ Cornelia Kästner 19.August 2005
Bunter Boots, Quietsche- Entchen und Extremsportler
Von Freitag bis Sonntag hatte Leipzig ganz nah am Wasser gebaut: Beim 5. Leipziger Wasserfest vergnügten sich über 250.000 Gäste, auf und manchmal auch in Pleiße und Elster. Mit Aktionen wie Gladiatorenpaddeln und Wasserduathlon informierte der Verein Wasserstadt gleichzeitig über Nutzungsmöglichkeiten der Leipziger Gewässer.
Seit früh im sechs sitzt Angler Harry Schwalbe bereits am Elsterflutbett, aber gefangen hat er noch nichts.“ Die Fische beißen eigentlich gut hier“, erzählt der 79-jährige Rentner. „Aber heute ist es zu unruhig!“ Grund: Die Bootsparade vom Wasserfest biegt gerade vom Klingerhain ins Esterbecken ein. Ein Vierer rudert mit zackigen Schlägen, ein Floß dümpelt geruhsam vor sich hin, und der Mini-Raddampfer „Pleißequeen“ stößt schrille Pfiffe aus dem langen Ofenrohr. „ Das Boot ist gestern fertig geworden“, erzählt Steuermann Lutz Lochau (41), der mit seiner Familie die Besatzung des imposanten Gefährts bildet. Ein Jahr lang hat Vater Fritz Lochau (67) an der Zwei-Zylinder-Dampfmaschine gebastelt. Übertont wird die „Pleißequeen“ nur von den „Sachsenkeglern“, die den Zuschauern am Ufer laut jubelnd mit verdächtig leeren Bierflaschen zuwinken. Am Bug ihres feucht- fröhlichen Gefährts haben sie alle Neune aufgebaut. „Die haben so viel Stimmung gemacht, dass sie fast abgesoffen wären!“, sagt Sabine Heymann, Vorsitzende des Vereins Wasserstadt, der das Fest bereits zum 5. Mal ausrichtet und mit dem Vereinsboot „Schute Luise“ potenziellen Sponsoren gleichzeitig ein Stück Leipziger Wasserlandschaft zeigt. Zwar liegt die ursprünglich für 2005 geplante Sportbootdurchfahrt nach Hamburg noch in weiter Ferne, ein Bootsrennen vom Kanal zum Hafen gibt es trotzdem schon: Die Kanuten müssen ihre Boote dann eben über die 600 Meter Noch-Langstrecke tragen.
Im Lindenauer Hafen versucht der „Lok- Vogel“ des Schwimmvereins Lok Leipzig Mitte inzwischen, das Hafenbecken zu überfliegen. Das drachenartige Gefährt mit untergeschnalltem Rodelschlitten wassert nach sieben Meter kurzem Sturzflug, Pilot Markus Gerstenberger krault mit Helm und Taucherbrille ans Ufer. Der Elfjährige ist der jüngste Teilnehmer beim Stadtwerke - Flugtage, und kommt trotzdem weiter als der „Flying Federball“ aus Stoff und Staubwedeln, die mit Riesen-Schläger ins Wasser befördert wird, oder Julius Cäsar alias Eckhard Reimann (62) vom SG Olympia, der Ikarusflügel und goldlackierte Lorbeeren bereits im Sprung verliert. „ Wie bei der Nasa“, kommentiert ein Zuschauer gut gelaunt. Ein Zuschauer am gegenüberliegenden Ufer lenkt derweil fast elegant ein ferngesteuertes Flugzeug über den Hafen. Dabei ist der Sprung aus sechs Metern Höhe ohnehin nicht ungefährlich: Ein Mitglied des Extreme -Flugteams aus Parey kommt unglücklich auf und muss mit einer Prellung ins Krankenhaus gebracht werden. Die Sauerstoffflaschen der Taucher, auf die Zuschauer und Flieger zuvor eine knappe Stunde gewartet hatten, werden glücklicherweise nicht gebraucht.
Ruhiger geht es am Bootshaus am Klingerweg zu, dort angeln Kinder Plastiktiere aus Planschbecken und lösen Quizfragen zum Wasserkreislauf. „Das Fest ist eine schöne Gelegenheit, Leipzig als Wasserstadt erlebbar zu machen“, findet eine noch vom Paddeln nasse Umweltamtchefin Angelika von Fritsch, die mit ihrer Bootsmannschaft den zweiten Platz im „Gladiatorenpaddeln“ feiert. Mit im Zehner: Olympionikin Janina Christin Götz. Beim Entenrennen am Sonntag, dessen Erlös der Peter-Escher-Stiftung zugute kommt, gingen hingegen ausschließlich die gelben Quietsche -Tiere ins Wasser. Der Besitzer der Siegerente mit der Nummer 8165 hat sich allerdings noch nicht gemeldet.
Drei Fragen an Sabine Heymann, Vorsitzende des Vereins Wasserstadt
Ihr Verein setzt sich für den Durchstich des Karl-Heine-Kanals zum Lindenauer Hafen ein. Dann könnte man über den Elster-Saale-Kanal bei Hamburg durchfahren. Wann ist es denn nun so weit?
Olympia hat unser Anliegen sehr vorangebracht, inzwischen wird immerhin nicht mehr darüber diskutier, dass der Hafen eine Gewerbefläche wird. Aber der Baubeginn ist noch nicht abzusehen. Im Moment laufen Verhandlungen für den Kauf der Gelände, und wir suchen Partner für den Durchstich. Wir haben uns gestern beispielsweise mit dem Besitzer eines der Speicher am Hafen unterhalten. Das ist eine unserer Aufgaben zwischen des Wasserfesten.
Der Elstermühlgraben wird im Rahmen der Sanierung der Jahnallee jetzt Stück für Stück ans Licht geholt. Der Bau der übrigen Abschnitte von der Thomasiusstraße bis zum Schreberbad hängt von der Interessenlage der Anrainerinvestoren ab. Wenn allerdings die alte Elster, die ja völlig verschüttet ist, wieder ausgegraben wird, hätten auch der Elstermühlgraben eine Rolle im Gewässerkonzept: Er bildet dann einen Bypass zur alten Elster.
Für den Stadthafen am Elstermühlgraben wurde jetzt eine Arbeitsgruppe von interessierten Leipzigern eingerichtet, um seine Ausformung genauer zu diskutieren. Der Stadthafen ist zwar nicht Thema des Vereins, aber wir begleiten das gern mit. Wir sehen es eher als unsere Aufgabe an, mit den Wasserfesten durch Spaß und Information deutlich zu machen, was möglich ist.
Die Wellen schlagen hoch beim Wasserfest
Das Wasserfest hat Jubiläum: Vom 19. bis 21. August heißt es zum nunmehr 5. Mal an Leipzigs Flüssen und Seen „ Wir machen ´ne Welle!“ Der Verein Wasserstadt e. V. bietet auch für die diesjährige Fest – Auflage eine bunte Mischung aus Information und Entertainment und ist optisch, die Zahl von 250 000 Besuchern des Vorjahres noch zu überbieten. Los geht´s am Freitag ab 19 Uhr am Lindenauer Hafen mit Hafenparty, Live – Musik und Feuerwerk. In diesem Jahr ist die Altmark mit Showzelt, Markttreiben und Salzwedelner Mönchen bis zum Sonntag im Hafen zu Gast. Am Samstag startet um 11 Uhr die spektakuläre Bootsparade vom Stelzenhaus über Karl – Heine – Kanal und Weiße Elster bis zum Palmengartenwehr. Um 14 Uhr fällt am Lindenauer Hafen wieder der Startschuss für den Stadtwerke Flugtag unter dem Motto „Mit fliegenden Kisten ins kühle Nass“. Beim Gladiatorenpaddeln treten um 16 Uhr am Bootshaus Klingerweg prominente Leipziger als Kopiloten von Weltmeistern gegeneinander an. Nach der „Costa Tropical Nacht“ am Sonntagmorgen sportlich weiter: Um 11 Uhr werden am Palmengartenwehr 15 000 Plastikenten zum traditionellen Entenrennen zu Wasser gelassen. Um 14 Uhr ist wiederum der Lindenauer Hafen Schauplatz des LVB – Fischerstechens. Daneben locken natürlich alle Standorte mit speziellen Aktionen. Neben dem Markttreiben am Lindenauer Hafen wird das Bootshaus Klingerweg mit Spiel und Spaß rund ums Wasser zum Anziehungspunkt vor allem für die Jüngsten. Im Stationsgebäude wiederum informierten informieren Ausstellungen und Vorträge über Leipzigs Gewässer sowie Gäste aus Danzig über ihre Erfahrungen mit Hochwasser und zur Gewässerqualität. Auch an und in den Seen ist viel los: Am Kulkwitzer See locken Schnuppertauchen und Wasserski; am Cospudener See das Drachenbootrennen am Samstag und die beliebte Beachparty.
Weitere Informationen unter www.wasserfest-leipzig.de